Naturwaldreservate (NWR) sind Waldflächen, die für die natürliche Entwicklung des Ökosystems Wald bestimmt sind und in denen jede Entnahme von Holz, sonstige forstliche Nutzung und anthropogene Beeinflussung unterbleibt. Sie sind ein Beitrag zur Erhaltung der natürlichen Entwicklung der biologischen Diversität. Die Jagd ist erlaubt – sogar notwendig, da die Reservate sonst Ruhezonen für Schalenwild darstellen können.

Sie dienen der Forschung, der Lehre und der Bildung (Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft 1995: Forstliche Grundsätze des Bundes für die Einrichtung eines österreichweiten Netzes von Naturwaldreservaten).

Die Auswahl der NWR orientiert sich in erster Linie am Vorkommen der potenziellen natürlichen Waldgesellschaften (PNWG). Sie sollen Baumartenzusammensetzung, Bestandesstruktur, Vegetation und besonders die natürliche Entwicklung dieser repräsentieren bzw. diese in absehbarer Zeit erreichen.

In Österreich gibt es insgesamt 118 für das NWR Programm relevante Waldgesellschaften in 22 Wuchsgebieten. Jede vorkommende Waldgesellschaft in diesen 22 Wuchsgebieten soll durch mindestens ein Reservat erfasst werden. Ziel ist dabei nicht die Konservierung des aktuellen Zustandes, sondern die Zulassung einer natürlichen Entwicklung.

Aktuell gibt es 192 Naturwaldreservate mit einer Waldfläche von 8.355 ha (Stand Mai 2019).

 

 

 

Die meisten Naturwaldreservate befinden sich in Niederösterreich, dicht gefolgt von Kärnten. Flächenmäßig liegt Tirol an erster Stelle, weil sich in diesem Bundesland einige überdurchschnittlich große Naturwaldreservate befinden. Die Größe vieler Naturwaldreservate beläuft sich auf 5 bis 20 ha, größere Reservate sind derzeit nur gering vertreten.

Der weitaus größte Teil der bisher eingerichteten Naturwaldreservate liegt in verschiedenen Ausbildungen des Fichten-Tannen-Buchen-Waldes. Dieser entspricht den Bergmischwäldern der Nördlichen und Südlichen Kalkalpen. Auch subalpine Fichtenwälder und Kiefern-Dauerwaldgesellschaften sind stark vertreten.

 

Grundsätze des NWR-Programmes:

  • Vertragsnaturschutz auf freiwilliger Basis

  • Auslegung auf Langfristigkeit

  • Ausstiegsmöglichkeiten unter bestimmten Voraussetzungen

  • Jährliches Entgelt als Alternative zur forstlichen Nutzung

  • Einbezug der Waldbesitzer in die Betreuung und Kontrolle der Flächen

 

Ziele des NWR-Programmes:

  • Aufbau eines repräsentativen Netzes von Naturwaldreservaten unter Berücksichtigung aller Waldgesellschaften

  • Erforschung der natürlichen Waldentwicklung ohne Bewirtschaftung

  • Erhaltung der für die betreffende Waldgesellschaft typischen Biodiversität

  • Ausarbeitung von Empfehlungen für die Ausweisung und Betreuung neuer Reservate

  • Einrichtung eines Netzes von standardisierten Probeflächen