Erhebung
Bei der Einrichtung eines NWR werden folgende Erhebungen durchgeführt:
- Festlegung und Einmessung der Grenzen
- Einrichtung eines permanenten Stichprobennetzes und Verortung
- Grunddaten für die Entschädigungsbewertung (z.B. Baumartenanteile, Holzqualität, Bestockungsgrad, Bonität)
- Standortserhebung
- Pflanzensoziologische Vegetationsaufnahmen
- Kartierung der aktuellen Waldgesellschaften
Für eine standardisierte Vorgangsweise bei der Einrichtung von Reservaten wurden Aufnahmerichtlinien und ein Aufnahmeschlüssel ausgearbeitet.
Im Zuge der Einrichtung eines NWR wird ein jährliches Entgelt als Alternative zur forstlichen Nutzung berechnet. Die Grundlage für die Bewertung des jährlichen Entgeltes stellt die Erfassung der ertragskundlichen Parameter auf Basis von Winkelzählproben (WZP) dar.

Stichprobendesign
Die Einrichtung eines systematischen permanenten Stichprobennetzes mit variabler Netzdichte ist vorgesehen. Im Rahmen von Forschungsprojekten finden seit 2013 wiederholte Erhebungen statt. Hierfür wurden weitere Aufnahmemodule entwickelt. Das Erhebungsset besteht aus den Modulen:
- Allgemeine Standortsparameter
- Bestand (WZP und fixer Probekreis)
- Habitate
- Stabilität
- Totholz
- Verjüngung und Verbiss
- Vegetation und Bodendeckung
Bestand
Für die Entwicklung der Bestandesstruktur sind vor allem die jungen und schwachen Bäume eines Bestandes maßgebend, weshalb Daten zur Artenzusammensetzung und Altersstruktur dieser Gruppe von besonderem Interesse sind. In der Winkelzählprobe jedoch werden schwache Stämme nur in sehr geringer Zahl erfasst, da diese grundflächenproportional ist.
Die Probeflächen sollen genauere Informationen über die junge Bestandesschicht liefern, die den Grundstein für die weitere Bestandesentwicklung legt. Ziel ist es, quantitative Aussagen über Stammzahl, BHD-Verteilung und Baumartenzusammensetzung zu treffen, deren Genauigkeit die der Winkelzählprobe im unteren Durchmesserbereich übertrifft.
Die Informationen werden auf einer klar definierten Fläche von 300 Quadratmetern gesammelt, die einer Wiederholbarkeit der Aufnahme gewährleistet.
Stabilität
Aussagen über Struktur und Stabilität des Bestandes sind vor allem in solchen Bereichen der Naturwaldreservate wichtig, die eindeutig der Definition 'Standortschutzwald' zugeteilt werden können. Langfristig kann so der Verlauf der Bestandesentwicklung in Bezug auf spezielle Kriterien der Standortschutzwaldeigenschaft verfolgt werden. Das Erkennen von Veränderungen kann in weiterer Folge auch zum Vergleich mit bewirtschafteten Schutzwaldflächen dienlich sein.Ansprache des Standortes im jeweiligen Naturwaldreservat auf die Disposition für die Eigenschaft als Standortschutzwald erfolgt nach den Kriterien:
- Flugsand-/Flugerdeböden
- Verkarstung
- Erosion
- Rutschung
- schroffe/seichtgründige Lagen
KampfzoneKriterienauflistung nach österreichischem Forstgesetz für 'Standortschutzwälder' (ForstG 1975 §21 Abs. 1)
Bei Anwendung dieses Moduls sind Parameter in Bezug auf die Struktur des Bestandes und dessen Stabilität zu erheben - Struktur auf Bestandesebene und Stabilität an Einzelbäumen.

Vegetation
Meist findet sich in der Krautschicht die größte Vielfalt an Höheren Pflanzen. Im Gegensatz zu den höheren Bestandesschichten ist sie in der Regel von direkter anthropogener Intervention unbeeinflusst und spiegelt daher Standortfaktoren am besten wider. Umgekehrt weisen Veränderungen in der Krautschicht auf geänderte Standortbedingungen hin. Für die Bestandesdynamik von Bedeutung ist, dass in der Krautschicht die härteste Auslese unter Jungbäumen stattfindet und somit direkten Einfluss auf die Artenzusammensetzung des künftigen Bestandes hat.Ziel ist es, Gesamtaussagen über Artenvielfalt und Deckung der Krautschicht zu treffen. Die Einrichtung und Abgrenzung der Probeflächen erfolgt identisch zu dem Modul Verjüngung. Kernstück der Vegetationserhebung ist die Schätzung der Deckung der Gefäßpflanzenarten.
Habitate
Unter dem Begriff „Habitat- oder Biotopbaum“ verstehen sich im Allgemeinen Bäume mit besonderen Strukturen, die Mikrohabitate darstellen oder Nutzungsspuren meist holzbewohnender Organismen sind.
Solche können beispielsweise Spechthöhlen, Totholz, Stammverletzungen, Fäule, Pilzbefall oder Horste sein. Für viele hochspezialisierte und demnach häufig gefährdete Tier- und Pflanzenarten des Waldes stellen sie eine sehr wichtige Lebensgrundlage dar.
Die detaillierte Ansprache von 26 Habitatkriterien ermöglicht Aussagen zu bestimmten naturschutzfachlich relevanten Artengruppen.
Anleitung zur Wiederholungsaufnahme in Naturwaldreservaten (2018)